Wie im ersten Teil zuletzt angesprochen wurde ich nach meiner ganzen Arbeitsmisere praktisch in ein Call-Center genötigt. Jetzt werden viele Menschen sagen: “Dich hat doch keiner dazu gezwungen, da anzufangen.” Das kann, will und werde ich so niemals bestätigend und stillschweigend unterschreiben. Wer sich in seinen jungen Jahren mit Hängen und Würgen sein Eigentum erwirtschaftet hat und dies gerade abbezahlt hat, der wird einen Teufel tun und dies aufgrund von Zwängen wieder innerhalb kürzester Zeit und vor allem für viel zu wenig Geld abgeben.
Darüber hinaus wurde mir der “Job” ans Herz gelegt, mit den Worten: “Sie müssen das machen.” Soviel zu den “aus freien Stücken”.
An sich hat die neue Stelle besser geklungen, als meine Einstellung zu Call Centern generell war. Die Beschreibung sah wiefolgt aus: Normale Bezahlung, Inbound, ausschließlich Kundenbetreuung – kein Verkauf, Schichtarbeit im Wechsel, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Lt. der Agentur für Arbeit, zählt diese Firma zu den besten Call-Centern Deutschlands.
Ooooh kaaay! Gehen wirs an….
Ich habe also kurzerhand dort angeheuert. Da dies ein neuer Standort dieser Firma war und für einen der größten Telekommunikationsunternehmen ein Subunternehmen darstellte, habe ich mir weitaus weniger Sorgen gemacht, als ich es ggf. hätte machen sollen. Bei meiner Ankuft auf dem Parkplatz dieses Unternehmens saß im Gebüsch vor mir jemand, der sich erst einmal genüsslich eine Nadel in den Arm gehauen hat. Daran habe ich mich allerdings nicht gestört, denn mittlerweile war ich echt schon vieles gewohnt.
Ich lasse jetzt einfach mal die Kleinigkeiten weg, mit denen ich sicherlich 1000 Wörter schreiben könnte und komme zu den extremen, die ich dort erlebt habe. Diese Firma hat wirklich alles eingestellt. Jedweden Bodensatz, den die Agentur für Arbeit zu bieten, oder schon länger auf der Tasche hatte. Drogenhandel und Konsum in den Pausen und offensichtlich kriminelle Aktivitäten in Punkto Waffenbesitz waren dort ansässig. Für den einen oder anderen mag es vielleicht witzig klingen, jedoch sah ich mich gezwungen, in den ersten 3 Wochen mit einer Kugelfangweste zur Arbeit zu gehen.
Die Führungsriege der Firma hat dann kurzerhand diese Leute nach etlichen Gesprächen aus dem Unternehmen entfernt. Übrig blieben von dem Untermenschenvolk noch diejenigen die es für nötig und witzig erachteten in Pissoires zu “scheißen”, oder Mitarbeiterinnen zu belästigen. Mit Arbeit hatte das in den ersten drei Monaten recht wenig zutun. Eine Farce einen solchen Standort überhaupt eine Arbeitsstelle zu nennen. Ehr wirkte es, wie ein Auffanglanger für schwererziehbare, oder Kleinkriminelle.
Irgendwann hat sich auch das Relativiert und man konnte zumindest ein bisschen Arbeiten. Von Urlaubsgeld oder aber richtiger Berechnung keine Spur. Die Wechselschichteinteilung sah dann so aus, dass ich 16 Wochen am Stück die Spätschicht übernehmen durfte und der Punkt “kein Verkauf” artete in endloser Gier nach Umsatz aus. Den ehrlichen arbeitenden hat man also schlicht und ergreifend belogen. Wer nicht spurte, der flog raus und wer eigenständig dachte und Vorschläge brachte, die nicht der Firmenphilosophie auch nur in der Theorie entsprach, wurde auch entsorgt.
Man frug die Leute nach dem Einsatzort, die sie sich vorstellen könnten. Ich habe mich bei dieser Wahl fürs Backoffice gemeldet, damit ich wenigstens der Jobbeschreibung etwas näher komme und vor allem meinem erlernten Beruf. Anders als erwartet, stufte man mich als “verkaufsstark” ein und ich konnte meine erwünschte Position an den Nagel hängen. Zwar hat man mich recht häufig für meine Arbeit gelobt. Aber mir geht es wirklich nicht gut, den Leuten etwas zu verkaufen, was sie nicht brauchen. Daher tat ich dies nicht. Ich habe – durch ehrliche Beratung verkauft. Wollte ein Kunde dies nicht. Na dann eben nicht.
Ein Lob für einen solchen Job zu bekommen hat für mich die gleiche Wertung wie: “Mensch, in Vergewaltigung biste echt gut.” Ich werde bezahlt um zu arbeiten. Einen Job zu machen, den ich leider brauche und auf den ich angewiesen bin, aber dennoch unzufrieden ist kein leichtes Los für mich. Als kleines Update: Vor jetzt genau vier Tagen bekamen alle Mitarbeiter dieser Firma per Kurier auf einem Sonntag die Kündigung. Der Standort wird geschlossen. Freistellung für vier Wochen.
Ganze 11 Monate habe ichs ausgehalten und habe dann die Branche gewechselt. Eine Einstellung von einer Personalvermittlung für ein großes Systemhaus. Tätigkeitsgebiet: Weitläufige Disposition/Dispatching. Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld. Besser bezahlt und vor allem seriös. Bei dem Bewerbungsgespräch im Januar hieß es dann mit Übernahmechancen.
Die Firma, die ich vertrete ist jetzt wirklich sehr gut. Allerdings gibt es ein großes Manko. Die Firma, die mir so groß vorgeschwärmt hat, sie wolle auch übernehmen, durchläuft seit vier Wochen ‘nach’ meiner Anstellung eine Insolvenzphase… Also Pustekuchen mit der Stelle. Allerdings vertrete ich dort noch eine Personalvermittlung, die ich bis zum Letzten auch gerne vertrete. Wer gut zahlt, bekommt auch gute Arbeit.
Langsam aber sicher komme ich mir mächtig verarscht vor. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und komme Jobtechnisch nur vom Regen in die Traufe. Niemandem wünsche so viel Pech!
